predigerseminar nuernberg 2017

Pastorale Kompetenz

Ziel des Vorbereitungsdienstes: Theologisch-pastorale Qualifikation

Zum Beruf des Pfarrers, der Pfarrerin gehören Kenntnisse, Fertigkeiten und Haltungen. Überzeugend wirksam werden persönliche Gaben und erworbene Fähigkeiten erst dann, wenn sie von Pfarrern und Pfarrerinnen in einer theologischen Existenz integriert werden. Dabei kommt es darauf an, dass persönlicher Glaube mit theologischer Kenntnis, gelebte Frömmigkeit mit beruflichem Handeln und individuelle Lebensführung mit Beheimatung in der Gemeinde vermittelt sind. Dies bleibt eine notwendige, spannungsreiche und nie abgeschlossene Aufgabe. Dazu gehört die Bereitschaft, das Evangelium auch für sich persönlich gelten zu lassen und dafür öffentlich als Amtsträger der Kirche einzustehen.Theologisch-pastorale Qualifikation bezeichnet die Fähigkeit zu theologisch begründetem, dem pfarramtlichen Auftrag gemäßen und die Herausforderungen der Gegenwart aufnehmenden selbständigen Handeln. Nur in begrenztem Sinn lässt sich eine solche Qualifikation durch Ausbildung erzielen; denn eine theologisch-pastorale Existenz beruht letztlich auf Gottes Zuwendung und dem Vertrauen auf seine wirksame Gegenwart.Die theologisch-pastorale Qualifikation umfasst Fach- und Grundkompetenzen.

Fachkompetenzen

Für Pfarrer und Pfarrerinnen ist es grundlegend, Fachkompetenzen in den Handlungsfeldern Gottesdienst, Seelsorge, Religionspädagogik und Gemeindeaufbau zu besitzen.Für sie müssen fachliche Kenntnisse und Fertigkeiten, aber auch entsprechende Haltungen und Einstellungen erworben werden. So lassen sich eine homiletische und liturgische Fachkompetenz, eine religionspädagogische, seelsorgerliche sowie eine ökodomische (den Gemeindeaufbau betreffende) Fachkompetenz beschreiben. Sie sind auch Gegenstand der kirchlichen Anstellungsprüfung.

Zum Lernen in den einzelnen Handlungsfeldern ... mehr

Grundkompetenzen

Für die Ausübung des Pfarrberufs sind Grundkompetenzen erforderlich, durch die die jeweilige Fachkompetenz in der Kommunikation mit den Menschen umgesetzt und fruchtbar gemacht werden kann:

Theologisch-hermeneutische Kompetenz

Um das biblische Zeugnis auslegen zu können, ist es grundlegend für Pfarrer und Pfarrerinnen, dass sie theologische Fachkompetenz haben. Die nötigen Kenntnisse, Einsichten und Fertigkeiten werden in der Regel im Theologiestudium erworben und im kirchlichen Vorbereitungsdienst angewandt und weiterentwickelt.Theologische Urteilsfähigkeit ist nötig, um auf gegenwärtige Situationen und Herausforderungen eingehen und die Lebensrelevanz des christlichen Glaubens verdeutlichen zu können. Grundlage dafür ist ein Vertrautsein mit dem biblischen Zeugnis und seiner Auslegung, mit dem Bekenntnis der Kirche und ihrer Lehrbildung, mit ihrer Geschichte sowie mit den Bedingtheiten ihrer gegenwärtigen geschichtlichen Existenz. Ebenso notwendig ist die Wahrnehmung, Kenntnis und Analyse der sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Bedingungen und Gegebenheiten heutigen Lebens. Der hermeneutische Prozess bringt diese Faktoren reflektiert miteinander ins Spiel. Ziel ist es, die Frage nach Gott wach zu halten, sein Wirken in der Gegenwart zu entdecken und die Folgerungen für eine christliche Existenz heute daraus ziehen zu können.

Kommunikative Kompetenz

Das Evangelium ist frohe Botschaft für alle Menschen. Darum ist die Fähigkeit, mit anderen Menschen zu kommunizieren, eine unabdingbare Voraussetzung für den Dienst des Pfarrers und der Pfarrerin. Dazu gehören die Fähigkeit und Bereitschaft, auf einzelne und Gruppen zu zu gehen, Kontakte zu knüpfen und zu halten, Vertrauen zu schaffen und Verständigung herbeizuführen. Auch Nähe und Distanz zu anderen müssen in angemessener Weise hergestellt werden können. Die Kooperation mit Gruppen, in Gremien und in Teams ist ebenso notwendig wie Kritik- und Konfliktfähigkeit. Der Pfarrer und die Pfarrerin müssen Unterschiede in Überzeugungen und Absichten zulassen, Differenzen herausarbeiten und Gegensätze vermitteln und aushalten können. Die eigene Person mit ihren Gaben, Fähigkeiten, aber auch Grenzen sorgsam wahrzunehmen und zu reflektieren, ist dabei eine ständig neue Aufgabe. Diese Fähigkeiten dienen der Aufgabe, vom Evangelium zu reden, sich mit anderen Menschen darüber zu verständigen, Menschen zu ermutigen, zu vergewissern, zu trösten und zu ermahnen, also sie auf ihrem Lebens- und Glaubensweg zu begleiten. Es handelt sich um eine stark mit persönlichen Voraussetzungen verbundene Kompetenz,deren Fehlen oder Mangel die Berufseignung grundsätzlich in Frage stellen kann, die aber auch geschult und entwickelt werden kann.

Spirituelle Kompetenz

Pfarrer und Pfarrerinnen sollen in ihrem Dienst andere darin begleiten und anleiten können, ihre persönliche Frömmigkeit auszubilden und zu pflegen. Darum gehört zu dieser Aufgabe zunächst die Fähigkeit, die eigene Frömmigkeit wahrzunehmen, zu pflegen und auszudrücken, sodann die Fähigkeit, die spirituelle Prägung anderer wahrzunehmen und mit ihnen darüber zu kommunizieren. Schließlich müssen Pfarrer und Pfarrerinnen spirituelle Angebote gestalten und andere Menschen an die Grundlagen des Glaubens in ganzheitlicher Weise heranführen können.

Kybernetische Kompetenz

Zum Dienst des Pfarrers und der Pfarrerin sind Leitungsfähigkeiten erforderlich. Dazu gehören die Fähigkeit zur Organisation des eigenen Handelns und der eigenen Arbeit, die sinnvolle Einteilung von Kraft und Zeit, die Fähigkeit zu zielgerichtetem Handeln und zum Ergreifen und Entwickeln von Initiativen im Rahmen des pastoralen Dienstes. Pfarrer und Pfarrerinnen müssen fähig sein, Situationen und Strukturen empirisch und theologisch wahrzunehmen und zu beurteilen sowie darauf bezogen konzeptionell zu planen und zu handeln. Die Wahrnehmung von Leitungs- und Aufsichtsfunktionen gehören ebenso dazu wie Aufgabenteilung und Kooperation mit Mitarbeitenden und Leitungsgremien. Auch Aufgaben der pfarramtlichen Verwaltung ausführen zu können, ist Teil des Dienstes.Theologisch-pastorale Qualifikation bestimmt das Berufsbild des Pfarrers und der Pfarrerin im Zusammenspiel von persönlicher Auffassung, Erwartungen der Gemeinde, Wandel der gesellschaftlichen Situation und biblischem Auftrag. Die Ausbildung legt daher kein einförmiges Berufsbild fest. Es ist vielmehr ihre Aufgabe, die Kriterien dafür herauszubilden und bewusst zu halten, wie der pastorale Dienst in der gegenwärtigen Situation von einer biblisch-theologischen Handlungsorientierung her je neu zu bestimmen und zu füllen ist.

Standards für die zweite Ausbidlungsphase

Die Konferenz der Predigerseminare in der Evangelischen Kirche in Deutschland hat in Hinblick auf die Handlungsfelder Gottesdienst, Seelsorge, Bildung und Leitung Standards für die zweite Ausbildungsphase erarbeitet. Diese sind Grundlage für die von der EKD am 10. September 2009 beschlossenen Kompetenzmatrix für die zweite Ausbildungsphase.

Sie finden das Vorwort und die Kompetenzmatrix im Anhang (DOWNLOAD) am Ende der Seite.

zurück zu   Die zweite Ausbildungsphase